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Am 24.06.2011 wurde der von Peter Rogge herausgegebene und gestaltete „Andauer-Kalender", der bisher unveröffentlichte Foto-Aufnahmen aus Potsdam vom Ende des 19. Jahrhunderts der Öffentlichkeit präsentiert.
Dieser Kalender vermittelt einen Eindruck von der Schönheit der einstigen Residenzstadt - sowohl seiner historischen Mitte als auch der umliegenden Schlösser und Gärten. Einen Höhepunkt bildet sicher das Panorama vom Brauhausberg auf dem Januar-Blatt, das den Blick auf die Stadt noch ohne Palasthotel freigibt.
Grundlage dieses Kalenders ist ein Fotoalbum mit etwa 90 Potsdamer Stadtansichten des bisher kaum beachteten Fotografen Wilhelm Andauer, das Im Dezember 2010 nach Potsdam gelangte. Die Aufnahmen stammen vom Ende des 19. Jahrhunderts und zeigen vor allem Potsdamer Sehenswürdigkeiten: Neben den Schlösser und dem Park von Sanssouci auch die Kirchen, die damals in Potsdam existierten. Es sind weniger die Motive an sich, sondern das historische Ambiente, der Zustand, wie sich die Stadt Potsdam zu jener Zeit präsentierte, die den Reiz dieser Aufnahmen ausmachen.
Über den Fotografen selbst ist bislang wenig bekannt. Zeitlich lässt sich sein Atelier durch die vorhandenen Potsdamer Adressbücher eingrenzen: Erstmals taucht es 1895 auf, wobei anzumerken ist, dass das nächst frühere Adressverzeichnis aus dem Jahre 1889 stammt. Während das Atelier dann im Adressbuch von 1903 noch zu finden ist, ist es 1907 nicht mehr verzeichnet. Sein „Photographisches Atelier" befand sich in der Alten Louisenstraße 6 (heute Zeppelinstraße 5).
Die Herausgabe des Kalenders wurde durch die Buchhandlung „Internationales Buch", den Verein Potsdamer Stadtschloss e. V., den Förderverein des Potsdam-Museums e. V. und die Potsdamer Neuesten Nachrichten durch Festabnahmen und den Vertrieb des Kalenders ermöglicht.
„Mit den Fotografien einer Stadt wird deren Geschichte erst anschaulich und lebendig, wir haben dieses Projekt daher gern unterstützt. Einer der ersten Käufer des Kalenders sagte mir: 'Ich habe mich gerade wieder neu in Potsdam verliebt'; besser kann ein Kompliment für dieses schöne Bilderwerk wohl kaum ausfallen." sagt Markus Wicke, Vorsitzender des Fördervereins des Potsdam-Museums.


Der repräsentative Bildband zeigt auf insgesamt 160 Seiten 164 Fotografien von Potsdamer Gebäuden, Landschaften und Straßenszenen und vermittelt so anschauliche Einblicke in das soziale Leben der Stadt. Herausgegeben vom Potsdam Museum - Forum für Kunst und Geschichte, seinem Förderverein und Peter Rogge. „Dieses Buch ist ein faszinierender Rundgang durch die einstige Residenzstadt Potsdam. Bei diesen zum Teil unbekannten Fotografien kann man in ihrem Detailreichtum vieles entdecken. Ich bin den Herausgebern dankbar, dass dieses Buch Peter Herrmann gewidmet ist. Seinem Blick auf die Fotografie als ‚Momente festgefrorener Geschichte‘ bin ich hier auf wunderbare Weise begegnet", würdigte Stadthistoriker Hartmut Knitter das Werk, das auf Initiative des vor einem Jahr verstorbenen Museumsmitarbeiters Peter Hermann zustande kam und nach seinem Tod vollendet wurde.
Das Buch ist zum Preis von 24,80 Euro u.a. in der Potsdamer Buchhandlung "Internationales Buch" erhältlich.
Der Bildband, dessen Herausgabe von den Stadtwerken Potsdam und der Baudenkmalpflege Roland Schulze finanziell unterstützt wurde, erscheint als Ergänzung zu der im Jahr 2008 im Potsdam Museum gezeigten Ausstellung „Neues aus dem Atelier Eichgrün", in der der Nachlass der Hoffotografenfamilie Eichgrün erstmals präsentiert werden konnte. Dass der gesamte noch vorhandene Nachlass des Fotoateliers Ernst Eichgrün im Potsdam Museum zusammengeführt werden konnte, ist den Spenden von Günther Jauch sowie der Kommunikationsagentur „Brille und Bauch" zu verdanken, die vom Förderverein des Potsdam Museums in den Jahren 2007 und 2008 vermittelt wurden.

1. Heft der neuen Schriftenreihe des Fördervereins erschienen
Bürger machen Politik - dieser für unser heutiges Gemeinwesen so selbstverständliche Satz hat in Potsdam erst seit 200 Jahren Gültigkeit, denn erst 1809 fanden in der damaligen Residenzstadt die ersten Wahlen zur Potsdamer Stadtverordnetenversammlung statt. Dieses historische Datum war dem Förderverein des Potsdam-Museums e.V. Anlass genug, eine Publikation zum politischen Engagement von Potsdamer Bürgerinnen und Bürgern in den letzten beiden Jahrhunderten herauszugeben.
Den Anfang des historischen Streifzugs durch 200 Jahre Potsdamer Kommunalpolitik macht im Heft die Historikerin Silke Kamp, die in ihrem Aufsatz schildert, wie es zur ersten Wahl der Potsdamer Stadtverordneten kam. Die Vorgeschichte der Selbstverwaltung begann demnach bereits im Jahr 1806, als in Potsdam aus der Not der französischen Besatzungsmacht heraus ein Bürgerkomitee gegründet wurde. Zwei Jahre später, im November des Jahres 1808, wurde von König Friedrich Wilhelm III. auf der Grundlage der sog. Stein-Hardenbergschen Reformen die Städteordnung erlassen; im März des darauffolgenden Jahres fand die erste Wahl der Potsdamer Stadtverordneten statt. Silke Kamp macht in ihrem Beitrag vor allem deutlich, dass die neugewonnene Freiheit durch die Selbstverwaltung der Bürger - neben den ermutigenden Ansätzen für ein neues bürgerliches Selbstbewusstsein - auch ihre Schattenseite hatte. So waren nur knapp 65 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner aufgrund ihres Bürgerrechts wahlberechtigt, und auch die gewählten Bürgervertreter waren keineswegs völlig frei in ihrer Entscheidung, wie die massive Einflussnahme des preußischen Königs bei der Oberbürgermeisterwahl im Jahr 1809 beweist.
Markus Wicke und Frank Reich geben in ihrem kurzen Essay einen Abriss über die Geschichte der Stadtverordnetenwahlen in Potsdam nach dem Ende der Monarchie bis zum 1933, in dem die Stadtverordnetenversammlung aufgelöst wurde.
Dass es in Potsdam trotz der nationalsozialistischen Diktatur aufrechte Bürger gab, die sich ihre Meinung nicht haben verbieten lassen, macht der Aufsatz der Historiker Peter Riedel und Benjamin Gallin deutlich, die den Lebensweg des Potsdamer Katholiken und Reichsarchivrates Karl Heinrich Schäfer nachzeichnen. Der im Jahr 1871 in Wetter in Hessen geborene Schäfer war von 1896 bis 1899 in der Familie des bekannten Bornstedter Pfarrers Dr. Karl Pietschker und dessen Frau Käthe, geborene von Siemens, als Hauslehrer tätig. Erst 1921 kam der im Jahr 1902 zum Katholizismus konvertierte Theologe und Historiker wieder nach Potsdam, da er zum Reichsarchivrat berufen wurde. Seine Wirkungsstätte war das im Jahr 1919 auf dem Potsdamer Brauhaus gegründete Reichsarchiv. Der darüber hinaus ehrenamtlich in mehreren Potsdamer Vereinen und der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul tätige Schäfer kandidierte für die katholische Partei Zentrum selbst zum Stadtrat und tat sich in der bürgerlichen Öffentlichkeit vor allem durch seine lokalhistorischen Veröffentlichungen hervor. Die im Jahr 1933 zur Macht gelangten Nationalsozialisten behinderten die Arbeit von Karl Heinrich Schäfer massiv. Auf der Grundlage des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wurde Schäfer am 22. Mai 1934 noch vor Erreichen des Pensionsalters in den Ruhestand versetzt, seine politischen Ansichten und sein Forschungsinteresse widersprachen den Interessen des neuen Regimes. Trotz dieses jähen Abbruchs seiner Berufskarriere publizierte er weiter, sehr zum Missfallen der Reichsschrifttumskammer, die das Erscheinen einer ihm zu Ehren geplanten Festschrift verhinderte. 1942 fielen er und seine Frau einer Denunziation einer Hausangestellten zum Opfer, sie wurden inhaftiert. Während seine Frau wieder entlassen wurde, überstellte man Karl Heinrich Schäfer schließlich in das Konzentrationslager Sachsenhausen, wo er am 29. Januar 1945 starb.
Der Potsdamer Historiker Thomas Wernicke weist in seinem Aufsatz auf ein weiteres Kapitel politischer Einflussnahme von jenen Potsdamer Bürgerinnen und Bürgern hin, die im Dezember des Jahres 1989 durch ihren furchtlosen und mutigen Einsatz zur gewaltfreien Auflösung der Staatssicherheit in Potsdam beitrugen. Der Potsdamer Fotograf Frank Buschner hat die Besetzung der Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit in beeindruckenden Bildern festgehalten, die den Beitrag anschaulich illustrieren.
Am Ende des Heftes findet sich neben einem Nachruf auf unseren Kollegen und Freund Peter Herrmann eine Übersicht der bisher geleisteten Unterstützung des Fördervereins an das Potsdam-Museums in Form von Geldspenden, Ankäufe und Restaurierungen.
Zu dieser Publikation, die der Förderverein in den nächsten Jahren als Schriftenreihe fortsetzen möchte, haben eine Vielzahl von Förderern und Unterstützern beigetragen. Zuallererst dankte der Herausgeber Kulturland Brandenburg, den brandenburgischen Sparkassen gemeinsam mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung sowie der Landeshauptstadt Potsdam für die finanzielle Förderung.
Darüber hinaus haben vor allem Susanne Stich, Verena Lewinski-Reuter, Dr. Eberhard Gerstädt und Hartmut Knitter zum Gelingen des Projektes beigetragen. Ein besonderer Dank gilt neben den bereits aufgeführten Autorinnen und Autoren dem Potsdam-Museum, hier vor allem Hannes Wittenberg sowie Frank Buschner, Monika Schulz-Fieguth und Elke Hübener-Lipkau für die zur Verfügung gestellten Fotos.
Die Schriftenreihe ist zum Preis von 9,90 Euro ab sofort im Potsdam-Museum in der Benkertstr. 3 und im "Internationalen Buch" in der Brandenburger Str. / Ecke Friedrich-Ebert-Str. erhältlich.
Bestellungen per Post (zzgl. 1,50 € Versandgebühr) bitte über das Kontaktformular
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